Teil 4 RO – SRB – CRO – SLO – A – D

10. Tag Montag der 25.07.2011 – Nichts tun oder wir lassen die Seele baumeln

Route: Weidenthal 167, Weidenthal Kirche, Weidenthal 167, 2000m

Bisher diente der morgendliche Regen immer nur zur Abkühlung, heute sieht das anders aus. In der Nähe von Brebu Nou bei Valiug liegt ein Stausee der zum Touristenzentrum entwickelt wurde. Unter anderem können die Besucher dort Sonnenliegen und Betten „stundenweise“ mieten. Meine Idee war das wir dieses nutzen und dort ganz dekadent den Tag verbringen. Aber ohne Sonnenschein sind Sonnenliegen auch kein wirkliches  Vergnügen. Dies sehen auch die Endurofahrer um uns herum so. Die allermeisten entscheiden das heute der Tag erst später beginnt und so verbringen wir den Morgen mit gemütlichen Gesprächen, schlendern mal durchs Dorf und über das Gelände des Stützpunktes. Auch die Motorräder brauchen und erhalten Pflege. Dougie McLean der als Guide arbeitet, aber auch schon an der Red Bull Romaniacs teilgenommen hat, will am Abend einen Film Vortrag über die Romaniacs 2011 halten und so erleben wir am Nachmittag einen Exklusiv Vortrag quasi die Preview.

Nebenbei planen wir unsere Route für den morgigen Tag. Ab dem späten Nachmittag kommen die Enduroabenteurer ins heimische Lager zurück und es entwickeln sich  interessante Benzingespräche und je später der Abend desto kniffliger die Trails. 🙂

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11. Tag Dienstag der 26.07.2011 – drei Länder in acht Stunden

Route: Brebu Nou RO, Gradinari, Moravita, Vrsac SRB, Secanj, Zrenjanin, Novi Sad, Vukovar, Osijek CRO 415km

Rumänien zu verlassen fällt mir jedesmal schwer. Ich mag dieses Land, seine Menschen und die Landschaft, vielleicht war dies der Grund warum es am morgen regnet. Vielleicht wollte uns auch Rumänien nicht loslassen. Wir haben Urlaub, können gemütlich frühstücken und noch eine ausgiebige Abschiedsrunde über den Platz drehen. Uns von alten Freunden und neuen Bekannten verabschieden. Während wir die Motorräder aufsatteln reißen auch die Wolken auf und die Sonne brennt sofort herunter. Sergio hatte uns noch eingeladen Timișoara zu besichtigen, aber irgendwie zieht es uns Richtung Westen und so entscheiden wir Timișoara zu verschieben. Sorry Sergio, aber wir kommen bestimmt wieder und bringen dann auch Zeit für eine Stadtbesichtigung mit, hoffentlich schon 2012. So starten wir und umfahren die Schlaglöcher im Sonnenschein. Ich freue mich schon auf eine lustige Bergabstrecke, habe aber die Rechnung ohne Petrus gemacht. Bereits ab Garina das nur wenige Kilometer bergauf liegt tauchen wir in dichten Nebel ein der uns bis kurz vor Resita begleitet. Wir wollen noch tanken und fahren kurz in die Stadt rein. Diese Gelegenheit nutzen unsere Navis um in eine Diskussion mit uns einzusteigen. Karin´s Zumo möchte zurück und dann rechts abbiegen. Mein 60er möchte geradeaus und dann links abbiegen. Länge und Dauer der von den Navis vorgeschlagenen Routen unterscheiden sich nur wenig, aber die gewählte Streckenführung ist sehr unterschiedlich. Wir beenden die Diskussion der Navis und nehmen die dritte mögliche Route in Richtung Oravita.

Wir haben richtig entschieden, die Straße mäandert den Berg hinauf und ist mit Schlaglöchern gespickt. Nicht das uns noch einer nach sagt wir hätten etwas gegen schlechte Straße. In Gradinari entdeckt Karin ein kleines Werbeschild einer Bäckerei. So biegen wir links ab. Ein kleiner Verkaufsladen mit einer großen Backstube und auf dem Parkplatz davor ein Bus und Rumänen die einkaufen. Entweder die Bäckerei ist gut oder die einzige im Umkreis. Wir decken uns mit lustigen Backwaren ein und entscheiden, die Bäckerei ist gut (aber wahrscheinlich auch die einzige im Umkreis von 10km). Bis zur serbischen Grenze sind es auf asphaltierter Straße nur noch knapp 30km die wir schnell bewältigen. Alternativ gäbe es eine kürzere geschotterte Straße zur Grenze, allerdings laut Karte ohne offiziellen Grenzübergang.

Der rumänische Grenzer verabschiedet uns ausgesprochen freundlich und erzählt von seinem Besuch bei BMW in München. Auch die Serben sind freundlich zu mir. Dafür sind sie die ersten die sich intensiv mit meiner grünen Versicherungskarte beschäftigen. Trotzdem dauert der Grenzübertritt keine 15  Minuten und wir reisen mit einem Stempel mehr im Pass weiter. Nur wenig später verspüre ich mal wieder ein dringendes Bedürfnisse nach Café und halte wie meistens in einem kleinen Ort. Die Motorräder können wir direkt vor dem örtlichen Denkmal parken und ich betrete eine serbische Cafebar. Ich spreche kein Serbisch, die Besitzerin leider auch keine der Sprachen die ich halbwegs verstehe. Mein Versuch ihr klarzumachen das ich gerne einen Kava hätte ist wenig erfolgreich. Bis sich ein Gast einschaltet. Sie übersetzt und fragt mich: „Nescafe oder Serbien Kava“. Ich entscheide mich natürlich für Serbien Kava und bekomme eine Art Türkischen Mokka der sich sehr gut trinken läßt. Für den Kaffee erhält die Bar eine klare Empfehlung von mir.

Fußgängerzone Novi Sad

Karin möchte mir gerne Novi Sad zeigen. Also nächster Stop Novi Sad, wir erobern die Fussgängerzone und entern eine Slasticarna. Friseursalon in Novi Sad

Von Novi Sad aus sind es gut 40km bis zur kroatischen Grenze. Eine kurze Diskussion später entscheiden wir uns bis Kroatien zu fahren. Ich kann nicht genau sagen warum, aber Serbien ist ein Land in dem ich ein ungutes Gefühl hatte. Es gibt keinen objektiven Grund dafür und auch die Menschen denen wir begegnet sind  und  mit denen wir gesprochen haben, waren nicht unfreundlicher als in der Ukraine oder Rumänien.

Wieder ist die Donau der Grenzfluß

Auch der Grenzübertritt nach Kroatien geht schnell und wir gewinnen wieder einen Stempel mehr in unseren Pässen. In Europa ist das Pässestempeln andernorts schon sehr aus der Mode gekommen. Hier kann der Reisende es noch geniessen. Kroatien begrüßt uns mit Weinbergen, kleinen Strassen und noch kleineren Kurvenradien. Es macht Spaß zu fahren. Unsere erste Idee: In Vukovar übernachten. Laut Navi solle es zwei Hotels geben. Wir finden beide. Das erste ist geschlossen und das zweite in einer Preisklasse die uns zu teuer ist.  Die nächste größere Stadt ist Osijek. Auf dem Weg dorthin halten wir nach Übernachtungsmöglichkeiten Ausschau.  Auf der von uns gefahrenen Route reiht sich ein Industriegebiet ans nächste und keines wirkt besonders einladend. Im lauen Sommerabend fährt es sich angenehm und wir erreichen schon bald Osijek. Am Orteingang begrüßt uns freundlicherweise eine Werbetafel der Hotels. Wir wählen das ** Hotel und damit die Übernachtung direkt in der Fußgängerzone. Diese ist abgesehen von der Straßenbahn bereits um neun Uhr abends absolut still und wir brauchen uns um unsere Nachtruhe keinerlei Gedanken zu machen.

Direkt neben unserem Hotel

Übernachtet haben wir im Hotel Central http://www.hotel-central-os.hr/ Zimmer okay, gutes Frühstück, leider war die Reichweite des WLAN´s sehr begrenzt, weder auf dem Zimmer noch auf der Straße, nur in der Lobby war der Empfang vertretbar. Aber wer braucht schon Wlan.

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 12. Tag Mittwoch der 27.07.2011 – Sprachlos und sprachlos schön

Route: Osijek, Nasice, Vukojevica, Kutjevo, Slobostina, Mijaci, Filipovac, Dobrovac, Novska, Nova Subocka, Plesmo, Sava (Fluss), Sisak, Glina, Topusko 315km

Die Reise durch Kroatien als normalen Reisebericht zu beschreiben fällt mir schwer. Deswegen teile ich diesen Tag. Teilen in die Bilder die mich Sprachlos haben werden lassen und die Bilder die eine Landschaft zeigen die sprachlos schön ist.

Sprachlos:

Beim Zerfall Jugoslawiens Anfang der 1990er Jahre hat sich als erstes Slowenien abgewandt. In einem Krieg der sieben Tage dauerte und nur wenige Tote und Verletzte kostete ertrotzten sie sich ihre Unabhängigkeit. Auch Kroatien strebte seine Eigenstaatlichkeit an. Nur Serbien (damals noch Jugoslawien) wollte dieses auf keinen Fall zulassen. Aus dieser Ausgangslage heraus entwickelte sich ein Krieg der von 1991 bis 1994 viele Tote und Verletzte kostete und eine zerstörte Landschaft hinterließ. Dieser Krieg ist fast zwanzig Jahre her, doch die Folgen sind immer noch an vielen Stellen im Land zu sehen und zu erleben. Gestern sind wir von Serbien über Vukovar nach Osijek gefahren. Vukovar wurde drei Monate lang erbittert umkämpft bevor es von den Angreifern eingenommen wurde. Bei der Einfahrt von Osten sieht man als erstes den völlig zerschossenen Wasserturm auf dem stolz die kroatische Fahne weht. Heute weiß ich, diese drei Monate gaben damals der kroatischen Regierung die Zeit ihre Armee aufzubauen und sich zu verteidigen. Vielleicht nicht der schlechteste Grund warum die Kroaten stolz auf Vukovar und seine Bewohner sind. Aber irgendwie war es in Vukovar noch ein Stück weit unwirklich, wenn auch nicht inszeniert.

Es war nicht unsere Absicht, auf der Karte haben wir uns eine wunderschöne Route ausgearbeitet, das wir dabei durch eine der Hauptkampfzonen dieses Krieges fahren, ist uns nicht bewußt. Am Anfang habe ich mich noch gefragt warum vor und hinter baufälligen, kaputten Häusern, neue Häuser stehen, warum manche Ortschaften wie Geisterstädte wirken. Beim genaueren Hinsehen fällt dann auf das die Häuser gesprengt wurden, das Granaten und Maschinengewehreinschüsse zu erkennen sind. An manchen Stellen ist auch deutlich zu erkennen mit welchem Haß gegeneinander gekämpft wurde. Ein Denkmal für die Opfer des 2. Weltkrieges wird nicht von Kugeln zersiebt weil es taktisch wichtig ist und ich glaube auch nicht das sich dahinter eine Armee verstecken wollte.

Häuser können repariert werden, Ortschaft können wieder belebt werden. Was meines Erachtens viel schlimmer und auch langfristig tödlich ist, sind die immer noch existenten Minenfelder entlang den Straßen, auf den Feldern, in den Wäldern und den zerstörten Häusern. Kilometerlang sind Felder und Wälder gesperrt, mit Warnschildern gekennzeichnet. Es wird auch ganz klar empfohlen keine zerstörten Gebäude zu betreten. Diese Landschaften zu betreten oder zu bewirtschaften ist mit tödlichem Risiko verbunden. Minen zu räumen ist eine langwierige und teure Angelegenheit. Aber wenn wir, oder in Zukunft  unsere Kinder, in ganz Kroatien und nicht nur an der Adria Urlaub machen wollen, egal ob zu Fuss, mit dem Mountainbike oder mit der Enduro, wofür sich dieses Land hervorragend eignen würde, müssen die Minen zerstört bzw. geräumt werden. Ich kenne so etwas ein ganz kleines bißchen aus meiner Kindheit, weil ich in einem Ort aufgewachsenen bin in dem viele Granaten und Bomben noch scharf im Wald gefunden werden konnten. Trotzdem macht mich so etwas immer wieder sprachlos……….

Damit die Minen geräumt werden können braucht es Geld und Zeit. Zeit kann ich Kroatien nicht schenken, aber Geld schon. Ich habe mich dazu entschieden für jeden Kilometer den ich in Kroatien gefahren bin 50 Cent zu spenden. An wen und wie das ganze gehen kann, dafür habe ich eine extra Seite eingerichtet, bitte einfach hier mal klicken. Ich würde mich freuen, wenn Ihr auch diesen Teil lest und Euch beteiligt.

 

Sprachlos schön:

Wir starten in Osijek bei schönstem Sonnenschein und folgen der D2, D53, D51 und D38 bis Novska. Auf den ersten Kilometern führt uns die Straße durch kleine Wälder und entlang größerer Getreidefelder. Mitten im nirgendwo ein paar Häuser, eine Baustelle, ein Bahnhof. Wir sind in Niza.

Niza

Von hier aus bis Bektez sind es nur wenige Kilometer und wir stoppen für eine kurze Kaffeepause (was sonst).

In Bektez verlassen wir fürs erste die größeren Straßen und nutzen die  kleineren Nebenstraße bis zur D38. Die D38 folgt mit eleganten Schwüngen dem Landschaftsprofil. Über kleine Hügel und Täler führt die Straße durch größtenteils unberührte Wälder und Felder. Eine Landschaft an der ich mich  nicht sattsehen kann. Unberührt sind die Wälder und Felder allerdings nur weil uns immer wieder die Minenschilder und Sperrbänder begegnen. In der Nähe von Nova Subocka nach knapp 190 gefahrenen  Kilometern verlassen wir die Hauptstraße und fahren an die Sava. 

Sava

Die Sava begleitet uns auf den folgenden 60 Kilometern. Die wenig befahrene einspurige Strasse folgt jeder Windung des Flusses und bietet einen guten Überblick über die Flußlandschaft. Rechts der Straße liegen in kurzem Abstand immer wieder kleinere Dörfer. Die Häuser, aus massiven Holzstämmen gebaut, wirken sehr alt. Ein Zimmermann hätte wahrscheinlich seine helle Freude an dieser Bauweise. Für mich sieht es so aus als wären keine Nägel, sondern stattdessen klassische Holzverbindungen genutzt worden. Wenn es nicht so früh am Tag wäre hätte ich hier sehr gerne übernachtet. Als kleinen Ersatz nutzen wir einen Picknick Platz und reduzieren unseren Lebensmittelvorrat. Die Flusslandschaft eignet sich nicht nur zum Motorrad- oder Fahrradfahren. Wanderer und Angler kommen hier sicher auch auf ihre Kosten. Ich gewinne den Eindruck, das die Kroaten dies auch so sehen und versuchen einen sanften Tourismus zu etablieren. Irgendwann hat diese Idylle ein  Ende und wir richten unsere Vorderräder Richtung Bosnien-Herzegowina. Wieder finden wir kurvigen Landstraßen bis zum Abwinken und stoppen erst in Topusko.

Sprachlos von der Schönheit der Landschaft aber auch sprachlos von dem was Menschen sich gegenseitig zufügen können. Ob ich nochmal nach Serbien fahren werde, im Moment bin ich mir nicht sicher, aber andererseits, die meisten Menschen die in Serbien leben, haben diese Zerstörungen sicher nicht gewollt.

Übernachtet haben wir in Topusko im http://www.kovacevic-gradnja.hr/ugostiteljstvo.html. Sehr schönes und großes Zimmer und ein reichhaltiges Frühstück. Relativ teuer, was aber daran liegen mag, das in Topusko Heilquellen sprudeln.

Zum Originalblog des Tages bitte hier klicken

 

Weiter geht es auf Seite 2 an die Adria und zurück nach D

4 Gedanken zu “Teil 4 RO – SRB – CRO – SLO – A – D”

  1. Toller Bericht zu einer Region die mich ebenfalls stark interessiert. Evtl. wird das 2012 realisiert.
    Dank an CeBe für die Info. 🙂

  2. Hallo, das sind wirklich super schöne Bilder und tolle Berichte! Zudem finde ich das Blog hier auch echt gut und ich schaue gerne mal wieder rein, Gruß Peter

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