Teil 3 UA – RO

6. Tag Donnerstag 21.07.2011 Die Unterschiede machen das Leben bunt.

Route: Tschernovitz UA, Koroviia, Mykhailivka, Sterche, Balcauti, Suceava, Falticeri, Targu Neamt, Manastiri Varatec RO 156km

Und wieder einmal schauen wir aus dem Fenster und sehen: Regen und Gewitter. Die morgendliche Abkühlung wird langsam zur Gewohnheit. Mir kommt es entgegen, das Wetter hilft dabei den Tag langsam angehen zu lassen. Und wirklich es funktioniert, noch während wir die Motorräder bepacken läßt der Regen nach und wir können trocken starten. Wir schon, aber nicht die Strassen aus Blaubasalt mit immer wieder fehlenden Steinen. Ob Sie die rausnehmen um andere Wege zu reparieren? Gas geben wird mit spontan durchdrehendem Hinterrad belohnt. Zum Glück war keine Vollbremsung notwendig. Das wäre sicher spannend geworden. Gegen 10.30 Uhr haben wir die Grenze erreicht. An allen Staus werden wir vorbeigewunken und geschlossener Fahrspuren werden für uns geöffnet so das wir beide Grenzkontrollen nach knapp 30min hinter uns haben. Am meisten Zeit haben uns die Reisenden aus Russland gekostet mit denen sich Pass- und Zollkontrolle auf der ukrainischen Seite sehr intensiv beschäftigten

irgendwo zwischen UA und RO

Rumänien empfängt uns so wie uns die Ukraine verabschiedet hat, Sonnenschein, endlose Weite und bis zum Horizont reichende Strassen. Je weiter wir nach Rumänien hineinkommen desto abwechslungsreicher werden Landschaft und Strassenbau.

Karpaten

Wir hatten uns am morgen überlegt das wir vielleicht in einem der Moldauklöster übernachten. Kurz vor Targu Neamt erkennen wir die ersten Hinweisschilder. Wir fahren einige Kilometer weiter um uns dann doch von den von Süden heranziehenden schwarzen Wolken überzeugen zu lassen rechts abzubiegen und eines der Klöster aufzusuchen.

Manastiri Varatec

Im  Mănăstirea Văratec werden wir dann von Schwester Valentina auf herzlichste in französischer Sprache begrüßt. Hatten wir gestern das Fürstenzimmer so beziehen wir heute ein kleines Klosterzimmer und fühlen uns genauso wohl.

Klostergang zu unserem Zimmer

Der Besuch eines orthodoxen Klosters und seiner Kirche ist für mich absolutes Neuland und auch von der Lithurgie der Messe kann ich nur sehr wenig wiedererkennen. Dies kann aber auch an der Sprache liegen. Unser Abendessen hätten wir auch mit den Nonnen gemeinsam einnehmen können. Wenn ich Schwester Valentina richtig verstanden habe stand Gemüsesuppe auf dem Speiseplan. Sie empfiehlt uns jedoch die ungefähr 1km entfernte Pension mit Restaurant im Ort. Zum Abendessen ist es uns zu früh und wenn wir schon hier sind können wir uns auch in Ruhe das Kloster anschauen. Ich kannte bisher nur katholische Klöster mit ihrem für mein Empfinden sehr strengen Gemeinschaftsbauten. Dieses Kloster ist ganz anders.

Gemeinschaftswohnungen im Kloster

Rund um die Klosterkirche gruppieren sich kleine gemütliche Holz- und Steinhäuser mit einladenden Terrassen und einem Blumenmeer. Die Schwestern in Ihrer schwarzen Tracht arbeiten oder genießen den Sonnenschein. So verbringen wir den Nachmittag und spazieren später zum Restaurant. Aufgrund der rein rumänischen Speisekarte spielen wir mehr oder weniger Blindekuh bei der Auswahl der Speisen aber das kennen wir schon. Schneller als das Essen sind die Gewitterwolken bei uns und während wir das Essen geniessen geht draussen die Welt unter, gut bestellen wir halt noch einen Nachtisch, einen Kaffee und lassen dem Gewitter etwas Zeit. Siehe da es klappt, wir können trocken zurück zum Kloster laufen.

Klosterkirche

Ob es am Kloster liegt, wir sind beide sehr früh im Bett und schlafen (natürlich in getrennten Betten 🙂 Die Auswahl des Zimmers lag bestimmt nicht daran, das ich die Frage der Nonne ob wir verheiratet sind nicht verstanden habe.

Altarraum der Klosterkirche

Wenn ich gross bin.........

Informationen zum Kloster und den Übernachtungsmöglichkeiten findet Ihr unter: http://www.manastireavaratec.ro/ Sehr kleine, sehr nett eingerichtete Zimmer, unsere günstigste Übernachtung überhaupt.

Den Original Blog Eintrag findet ihr hier.

 7. Tag Freitag der 22.07.2011 – Gegensätzlichkeiten

Route:  Mănăstirea Văratec RO, Piatra Neamt, Bicaz, Gheorgheni, Miercurea Ciuc, Sfantu Gheorghe, Brasov, Fagaras RO 365km

Mit der Litanei der Morgenmesse verabschieden wir uns aus dem Kloster. Wir wollen heute zur Bicaz Schlucht und dann auf jeden Fall noch bis Brasov, aber am liebsten so nah an die Transfogaras wie möglich um morgen schon früh ins Hochgebirge zu kommen. Wir starten bei schönstem Sonnenschein und sind gegen 09:30 Uhr in Piatra Neamt. Hier geht es rechts ab in Richtung Bicaz. Bis Bicaz das von Osten aus gesehen vor der Schlucht liegt fahren wir durch ein Tal das so auch in der Schweiz liegen könnte.

Kurz vor Bicaz

Grüne Almwiesen, schnuckelige Hölzhäuser liegen verstreut an den Berghängen. Ein wenig wirkt es auf mich als wir würden durch eine Spielzeugeisenbahnlandschaft fahren. Bis nach einer Kurve rechts und links der Straße zwei riesige Fabrikanlagen ins Blickfeld rücken. Carpatia Zement – Member of Heidelberger Zement Group steht in grossen Lettern an den Werkseinfahrten.

Carpatia Cement

Wieder einer dieser krassen Gegensätze die wir in Osteuropa so oft erleben. Natürlich ist mir klar das Industrie für Rumänien überlebenswichtig ist. Trotzdem kommt es mir manchmal fehl am Platz vor.

Wenig später haben wir Bicaz erreicht und biegen direkt in die Klamm ab. Felswände die neben der Straße 100m hoch aufragen, die den Tag verdunkeln und einem das Gefühl geben durch einen Tunnel zu fahren. Ein reissender Gebirgsbach auf der anderen Seite. Aber auch Kurve an Kurve an Kurve mit nur wenigen Metern geraden Abschnitten dazwischen, zum überholen schwierig, zum fahren klasse. Leider begleiten uns auf diesem Abschnitt tiefschwarze Wolken und Regen. So testen wir, öfter ungewollt als gewollt, die Haftgrenzen unserer Reifen. Das Gewitter, das wir am Vortag aus dem Restaurant beobachteten, hat in der Schlucht ganze Arbeit geleistet . Es gibt einige Stellen an denen die Aufräumarbeiten mit Kettensäge und Bagger in vollem Gange sind.

Am Ende der Schlucht in Gheorgheni erkennt Karin ein „Illy“ Schild an der Hauswand und wir gönnen uns einen Café und eine Cioccolata calda. Wieder unterwegs fragt Karin über Funk: „Ralf haben wir uns verfahren sind wir schon in Ungarn“. Nein natürlich nicht, wie wir später lernen gibt es in diesem Landesteil Rumäniens eine große ungarische Minderheit und deswegen ist sehr vieles zweisprachig ausgeschildert. Ortschaften, Hinweisschilder aber auch Cafés, Lebensmittelläden und vieles mehr. Diese Mehrsprachigkeit findet sich in vielen Regionen Rumäniens. Brasov ist zum Beispiel in vier Sprachen ausgeschildert. Für mich zeigt dies ein erhebliches Maß an Toleranz und Rücksichtnahme auf Minderheiten (je nach Sichtweise auch Mehrheiten). Rumänen mit denen wir uns über dieses Thema unterhalten, haben uns dieses dann bestätigt. Aber es gibt auch erhebliche Schwierigkeiten, so überlegt derzeit der Staat Ungarn den ungarisch stämmigen Rumänen in Ungarn  Stimmrechte einzuräumen.

Unser Mindestziel für heute ist Brasov. Dies deswegen weil ich die Straßenqualität noch von meiner letzten touristischen Fahrt durch Rumänien in 2007 vor Augen hatte. Seit meinem damaligen Besuch haben die Rumänien sehr viel in ihre Infrastruktur investiert. Was einem Endurourlaub abträglich ist kommt uns nun entgegen. Sehr gute Strassen die die Entfernungen dahinschmilzen lassen. Nur an den allgegenwärtigen Brücken und in den kleinen Nebenstraßen der Ortschaften erkenne ich das Strassenbild von 2007 wieder. Dort wird dann auch die Geschwindigkeit zwangsläufig drastisch reduziert. Quasi automatische Geschwindigkeitsbegrenzung statt Radarkontrolle, deutlich effektiver und macht auch mehr Spaß.

Auf dem Weg nach Brasov hänge ich mich an einen Dacia mit Kennzeichen aus der Region. Auf der Landstraße selten weniger als 120km/h, nimmt er in den Ortschaften nur wenig den Fuss vom Gaspedal. Es macht den Eindruck als würde der Fahrer die Strecke sehr gut kennen, an allen heiklen Punkten reduziert er die Geschwindigkeit deutlich. Kurz vor Brasov ist eine Umfahrung nach Sibiu ausgeschildert, unsere Navis kennen diese Straße zwar nicht, jedoch sparen wir uns damit den Weg durch die Stadt und treffen bereits um 16.00 Uhr in Fagaras ein.

Fagaras

Fagaras wirkt ein wenig wie ein Truckstop auf halbem Weg zwischen Brasov und Sibiu. Nah am Ortsrand finden wir eine kleine Pension mit zivilen Preisen und einem vernünftigen Restaurantangebot. Noch eine kleine Runde durch die Stadt, Geld wechseln,  ein Eis, Abendessen und den warmen Sommerabend geniessen. Achja die Dinge wiederholen sich, auch diese Pension ist gleichzeitig Disco. Irgendwie scheinen wir für so etwas ein Händchen zu haben. Geschlafen haben wir trotzdem gut.

Hier der link zu unserer Pension. Gute Zimmer, wie sehr oft kein Frühstück. http://www.turistinfo.ro/fagaras/cazare-fagaras/pensiunea_onix-c36136.html

Der Link zum Originalblog

Weiter geht es auf Seite 2 über die Transfagarasch zur Donau

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