Le Midi oder Kurven, Küchen, Keller

France Sud – c´est fantastique

Karin hatte vor ein paar Jahren Frankreich bereits einmal im Tiefflug durcheilen müssen. Ich bin Frankreich Fan und habe Ihr natürlich immer wieder von Frankreich erzählt. Aus irgendeinem Grund wollte Sie deshalb auch den Süden Frankreichs kennen lernen. Mich brauchte Sie dazu nicht lange überreden. Unter anderem deshalb ging es im Mai 2012 in den Midi.

27.04.2012 Speedlimits

Route: Berglern D, Bregenz A, Zürich, Lausanne, Genf, Chambery, Valence, Lyon, Nimes, Montepellier, Beziere, Narbonne, Azille. 1156km

Anreisetag. 1200Km liegen vor uns. Da ist es dann schon sinnvoll früh zu starten, also beginnen wir unseren Tag um 6.15 Uhr. Auf die Autobahn und Richtung Schweiz. Gegen Mittag erreichen wir die Grenze nach Frankreich und noch liegen 600km Autobahn vor uns. Um 19.58 sind wir pünktlich in Azille bei Pierre und Claudine. Die Motorräder dürfen in die Scheune gegenüber und wir in unser Zimmer. Klamotten wechseln und zu Fuß zu Natalie bei der wir uns zum Abendessen verabredet haben. Natalie freut sich uns zu sehen und hat ein tolles Abendessen vorbereitet. Dieses mal bolivianisch, dazu eine gute Flasche Wein aus dem Minervois und wir sind bettreif.

Samstag 28.04. – Montag 30.04. sind wir kaum Motorrad gefahren, warum und wieso könnt ihr hier nachlesen.

01.05.2012 – Eigentlich Cevennen

Route: Azille, Minerve, Riols, Olargues, Mons la Rivalle, Bedarieux, Ceyras, Saint Guileme le desert, Georges Du Herault, Castelnau le Lez, Montepellier. 218km

Minerve

Wir starten Richtung Minerve der namensgebenden Stadt der Weinregion. Kleinste Straßen mit der einen oder anderen Feldwegeinlage führen uns stetig bergauf. Eigentlich ist Minerve nicht zum durchfahren geeignet wir versuchen es trotzdem um ein mir bekanntes Café aufzusuchen, nur leider hat es heute geschlossen. Gut dann weiter nach Millau am Rande der Cevennen. Serpentinen, Kurven und die sehenswerte Landschaft verbinden sich zum reinsten Fahrgenuss. Nur der Himmel trübt die Freude und das im warsten Sinne des Wortes.

Warten auf ….. mich

Je näher wir den Cevennen kommen desto mehr graue bis schwarze Wolken ziehen sich am Himmel zusammen. Karin hat noch ein weiteres dieser lustigen mittelalterlichen Städtchen rausgesucht und spontan korrigieren wir unser Ziel. Saint Guilhem de la Desert steuern wir nun an. Der Weg dorthin führt uns durch den Georges Du Herault. Leidenschaftliche Motards geben uns ein Beispiel mit welcher Geschwindigkeit sich die Strecke auch bewältigen läßt. Saint Guilhem begrüßt uns mit kostenfreien Parkplätzen und zwingt uns sozusagen zu einer Stadtbesichtigung. Aufgrund der sichtbaren Wetterverhältnis planen wir unsere Route neu. Einfach Richtung Sonne oder besser Süden stoppen wir erst wieder in Montpellier. Den Abend verbringen wir mit einer kurzen Stadtbesichtigung und einem ausgiebigen Menü.

Spontan übernachtet haben wir im F1 Hotel Montpellier

02.05.2012 Pont Du Gard!?

Route: Montpellier, Le Grande Motte, Saint Maries des las Mere, Arles, Beaucaire, Du Pont Du Gare, Uzes, Avignon 213km

Sous le Pont d’Avignon

Heute wollen wir Kultur erleben. Aber erstmal Richtung Me(h)r. Wir verlassen Montepellier in Richtung Küste und durchfahren kurz danach eine der häßlichsten Ortschaften Frankreichs: „Le Grand Motte“. Dagegen ist Saint Maries des las Mere, unser nächstes Zwischenziel, obwohl ein klassischer Touristenort richtig hübsch zu nennen. Wir folgen der ewig lange Strandlinien mit den typischen Lokalen und Cafes fast bis zum Ende und geniessen für eine kurze Pause den um diese Jahreszeit noch fast menschenleeren Strand.

Saint Maries des las Mere

Mitten in der Camargue. Pferde, Stiere und Reißfelder soweit das Auge reicht und aufgrund der Topographie reicht der Blick sehr weit. Eine willkommene Abwechslung bilden die Straßen zwischen den Feldern von Dorf zu Dorf.

Unser erstes Kulturziel für heute ist die Pont du Gard. Karin möchte die Pont Du Gard gerne besichtigen deswegen wählen wir die diretissima und …….. stehen vor einer Schranke. Die Passage soll uns EUR 18,00 pro Fahrzeug für bis zu 5 Personen kosten. Soviel wollen wir nicht ausgeben und ich war der Meinung noch einen anderen Zugang zu kennen. Okay meine Erinnerung war nicht so falsch aber mittlerweile mit Holzpfeilern und Schranke gesichert. Spontan entscheide ich, da passe ich durch. Gut, Lücken werden nicht größer wenn man langsamer fährt aber umgekehrt gilt dies leider genauso wenig und ich muss lernen das der Holzpfahl deutlich stabiler ist als das Schloss meines Koffers. Mitleidig trennt sich der Koffer von meinem Gepäckträger. Peinlich, noch peinlicher ist aber, dass ich erst jetzt seje, dass ich den störenden Pfahl auch einfach nach oben hätte rausnehmen können. Auf jeden Fall ist der Koffer schneller wieder montiert als mein Ego wieder gerichtet. Dafür kann Karin ohne Schrammen durchfahren. Genützt hat aber auch das nichts, von hier aus führt zwar ein Weg zur Pont Du Gard, aber wirklich gangbar ist er für mich heute nicht. Okay dann halt nur ein gemütliches Picknick.

Einen letzten Versuch starten wir noch in der Georges Du Gordon, aber auch von dort ist die römische Wasserleitung nicht zu sehen.

Georges du Gordon, nur fast Pont du Gard 🙂

So beschliessen wir weiter nach Uzes zu fahren. Spontan verliebt sich Karin in die kleine Stadt und Ihren lauschigen Stadtplatz. Für heute haben wir aber in Avignon gebucht und fahren deshalb noch die letzten Kilometer. Avignon ist als ehemalige Papstresidenz auch eine längeren Ausflug wert. Wir reduzieren aber die Stadtbesichtigung im wesentlichen auf die berühmte Brücke und den Papstpalast.

Uzes – morgen kommen wir wieder, versprochen

Übernachtet im F1 Avignon; Sehr gut gegessen in einem etwas extravaganten Ambiente haben wir im „Why Not“ 25, Rue Carnot, Avignon.

Why Not

03.05.2012 Fast rund um Uzes

Route: Avignon, Orsan, Saint Just, Georges Du Ardeche, Barjac, Navacelles, Aigaliers, Uzes  161km.

Saint Martin d´Ardeche

Heute müssen wir uns entscheiden, fahren oder schauen. Beides gleichzeitig könnte dazu führen das wir unseren Urlaub abrupt beenden müßten – weil heute erleben wir den Georges Du Ardeche. Bis Saint Martin d´Ardeche geniessen wir die französichen Strassenbaukunst. In S. Martin hat es mir dann aber schon die Ardeche und die Hängebrücke darüber angetan. Ampelgeregelt können wir hier die Seiten wechseln. Bei einem Petit Café bereiten wir uns mental vor.

Die Ardeche lohnt ganz sicher einen längeren Aufenthalt egal ob auf oder neben dem Wasser. Fast könnte man meinen die Einstellungsvoraussetzung für die Straßenbauer hier ist der Motorradführerschein, aber sie haben auch an uns fotografierende Touristen gedacht. Alle paar Kilometer sind Aussichtspunkte eingerichtet und auch wenn wir nur bei jedem zweiten anhalten, dauert es doch etwas länger bis wir die Schlucht komplett schaffen. Aber jeder Meter und jeder Stopp haben sich gelohnt. Strahlende Sonne und glitzerndes Wasser könnten einen immer wieder dazu verleiten die Motorräder abzustellen und im Wasser abzutauchen. Wir geniessen die Fahrt und lassen uns Zeit, wir wollen heute doch nur noch nach Uzes.

Theoretisch sind es nur noch wenige Kilometer und unser Navi würde uns sicher ganz schnell hinführen, wenn wir im dann folgen würden, aber wie immer verleiten uns die vielen hübchen kleinen Straße zu Schleifen und Abkürzungen die dann doch länger sind und so erreichen wir unser Tagesziel erst am späten Nachmittag. Im Hotel wechseln wir noch die Kleidung und spazieren zu dem kleinen Platz der uns gestern schon so gut gefallen hat. Wir finden ein gutes und preisgünstiges Abendessen ……… und dann „leider“ noch eine Boutique die außer regionalen Produkte wie Wein, Öl und Gewürzen auch Essen anbietet. Wir versuchen eine Karaffe Muscat zu bestellen und werden abgewiesen. Wein dürfen sie nur ausschenken wenn auch gegessen wird, also „müssen“ wir zu unserem Muscat auch noch eine Nachspeise ordern. Zum Glück haben wir auf den Motorrädern wenig Platz sonst hätte sich meine Urlaubskasse spätestens heute verflüssigt.

Uzes, Pace aux Herbes

Übernachtet im Best Western Uzes. Sehr guten Wein und Desserts gab es im Le Terroirs, Place aux Herbes, Uzes.

04.05.2012 Der heilige Berg

Route: Uzes, Roquemaure, Courthezon, Le Mount Ventoux, Sault, Villes sur Auzon, Roussillon, Apt  214km

Heute fahren wir hoch, hoch auf einen der klassichen Anstiege der Tour der France. Beim meinem letzten Besuch habe ich ihn mit dem Rennrad bezwungen, mit den GS´n sind wir um einiges schneller. Zum Ausgleich hatte ich beim meinem Fahrradbesuch strahlenden Sonnenschein, heute jedoch macht der Mount Ventoux seinem Namen alle Ehre. Auf dem Weg nach oben geniessen wir noch leichten Sonnenschein, doch kaum haben wir die Motorräder abgestellt zieht es zu und der Wind frischt auf, trotzdem, ein paar Erinnerungsfotos und ein (essbares) Souvenir muss sein.

Mount Ventoux, direction Sault

Dann schwingen wir durch tiefhängende Wolken und Kurven, stoppen kurz am Denkmal für für Tom Simpson und halten erst wieder in Sault. Karin hat noch ein zweites Ziel für heute geplant: Die Ockersteinbrüche von Roussillion. Doch der Weg ist das Ziel und so geniessen wir die kleineren Georges. Von Sault aus geht es in den Georges de Nesque bis Vanesque und in die Georges entlang des Col de Murs.

Zum Abschluss noch einen Abstecher nach Roussilion für einen kurzen Blick auf die Steinbrüche. Ja das lohnt sich, wir kommen morgen wieder. Wie gewohnt und gewünscht verbinden wir die Stadtbesichtigung in Apt wieder mit der Ausschau nach einem Restaurant. Heute entscheiden wir uns für eine Creperie, was sich als sehr gut erweist. Doch Apt will uns noch nicht in die verdiente Nachtruhe entlassen. Während wir zum Hotel zurück spazieren hören wir Musik. Wir folgen den Klängen und landen auf einem kleinen Marktplatz. Ein DJ steht hinter einer Stereoanlage, auf dem Boden liegen Plastikplatten, drumherum sind die Boxen aufgebaut und einige Paare lassen ihrer Lebensfreude freien Lauf. Bei dem einen oder anderen kann man deutlich sehen das sie sehr gut tanzen können und es ihnen auch entsprechend Spass macht. Zwischendurch geht ein heftiger Regenschauer nieder, der aber niemanden vom Tanzen abhält, nur die Platten werden deutlich rutschiger, aber wofür gibt es Gummiabzieher. Im Nu ist die Tanzfläche wieder trocken und es geht weiter. Karin würde auch gerne ein paar Tanzschritte mit mir versuchen. Nur bin ich leider im Moment absolut unfähig auch nur dreissig Sekunden auf der Tanzfläche auszuhalten. So geniessen wir die Musik, den Abend und die Stimmung. Bis wir dann zu später Stunde doch den Weg zu unserem Hotel finden. Schade denn ausgerechnet heute haben wir eine Suite bekommen, obwohl wir nur den normalen Zimmerpreis zahlen. Es gibt Tage da passt einfach alles.

05.05.2012 Ocker und Meer

Route: Apt, Roussillion, Senez, Castellane, La Garde, Grasse, Cannes, 237km

Cannes, Croisette

Wie gestern entschieden fahren wir heute morgen in die Ockersteinbrüche von Roussilion. Wir sind einige der ersten Besucher und wandern durch die Steinbrüche. Wie viele verschiedene Farbtöne Ocker hat war mir nicht wirklich bewußt. Sehr spannend, der Ausflug hat sich gelohnt und mit EUR 2,50 für den Eintritt auch noch günstig.

Roussilion, Ockersteinbrüche

Aber jetzt auf nach Cannes. Ohne Autobahn aber möglichst schnell wählen wir die Route Napoleon oder RN85 die sich kilometerlang am Verdon entlang schlängelt bzw. die Berge zur Cote Azur überquert. Wir sind meistens allein auf der Straße und können die Kurven und Serpentinen in vollen Zügen geniessen bis – Castellane. Hier werden wir von einem heftigen Gewitter eingeholt und packen uns wasserfest ein. Für die nächsten 20km rollen wir deutlich gemütlicher. Doch kaum sehen wir das Mittelmeer hört auch der Regen auf und wir können es bis Grasse wieder laufen lassen. In Grasse stoppen wir kurz bei Galimard, heute aber wollen wir nach Cannes, also wird der Einkauf auf morgen verschoben. Weiter geht es, noch 10km bis Cannes.  Auf den letzten 3000m allerdings mehr Schritttempo als fahren und um die dritte Spur aufzumachen sind wir mit unseren Koffern einfach zu breit.

Jetzt sitzen wir in Cannes gegenüber dem Festspielhaus, geniessen unsere Cocktails und den Sonnenuntergang. Später am Abend begeben wir in uns auf die Suche nach einem Restaurant, die wohl teuersten 500m in Cannes finden wir sofort, ein Restaurant neben dem anderen und natürlich auch eins teurer als das vorherige. Dies passt alles nicht zu unserem Budget, aber etwas abseits der Hauptstraße in Le Suquet werde ich magisch angezogen von älteren Herrn die Pastis und Wein an Stehtischen geniessen. Wir schauen kurz rein, hier sind wir richtig. Wir sind im La Sousta, 11, rue du pre gelandet und erhalten ein sehr gutes Essen, eine sehr freundliche Bedienung in einem gemütlichen Ambiente zu  moderaten Preisen.

La Sousta

Auf dem Rückweg zum Hotel stolpern wir über einen Top restaurierten Citroen 2 CV 6 Spezial. Ledersitze, Lederlenkrad, Holzintarsien. Der Besitzer hat sich seinen Traum etwas kosten lassen und ist sichtlich stolz auf seine „Ente“. Alle Türen stehen uns offen und wir können das Schmuckstück im Detail begutachten.

2CV 6 – special

Übernachtet haben wir im Hotel Central mitten in der Einkaufsmeile von Cannes.

Weiter geht es auf Seite 2

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4 Gedanken zu “Le Midi oder Kurven, Küchen, Keller”

  1. Sehr schöner Bericht, klasse geschrieben. Wir waren diesen Sommer auch in St. Trop und Grasse, bestimmt nicht das letzte Mal.

    Grüsse von

    Einar

  2. Hallo Ralf,

    seeeehr schön geschriebener Bericht. Und fotografieren kannste auch.

  3. ….Und ich wollte natüüüürlich noch drunter schreiben:

    Liebe Grüße – auch an die Rotgezopfte
    Elke

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