Bandazillane – Feria de Minervois – Stierkampf in Azille

Vom 28. April bis zum 01. Mai 2012 organisierte Azille zum 10. Mal die „Feria de Minervois“. Nachdem Natalie mir dieses letztes Jahr erzählte, stand für mich fest das ich daran teilnehmen will. Gesagt getan. Was Karin und ich während dieses langen Wochenendes erlebten könnt ihr im folgenden lesen und sehen.
 
 
Azille ist eine kleine Stadt in der Weinregion Minervois und gehört zum Departement Aude in der Region Languedoc-Roussilion. Auf der Karte findet Ihr Azille auf halben Weg zwischen Narbonne und Carcassone, dann  nach Osten Richtung Montagne Noir abbiegen und kurz hinter dem Canal Du Midi stoppen. Gefunden Gut! Dann wisst Ihr schon mal wo wir sind.Wie viele Katharerstädte liegt auch Azille auf einem kleinen Berg – rund 150hm oberhalb des Canal du Midi.
 
 
 
 Im Südwesten Frankreichs, insbesondere in Nimes und Umgebung haben Stierkämpfe und Stiertreiben eine lange Tradition und in den größeren Städten gehören Stierkampfarenen zum Stadtbild.  In Nimes z. Bsp. finden die Stierkämpfe im antiken römische Amphitheater  statt. In Azille dagegen ist die Arena ein mobiles Theaterrund aus Blech und Stahl, das nur für die Feria auf dem Fussballplatz aufgebaut wird.
 
 
 
 
Samstag 28. April 1. „Feiertag“
Auf unserem Zimmer lag ein Programm des Wochenendes. Die Feierlichkeiten sollten heute „pünktlich“ um 11.00 Uhr mit den Eröffnungsreden starten. Als ordentliche deutsche Touristen lassen wir uns dies natürlich nicht entgehen, auch wenn wir nicht wirklich etwas davon verstehen werden. Und das mit dem pünktlich ist im Midi auch so eine Sache. Auf meine Frage nach dem Beginn der Vorverkaufs für die Feria antworte Natalie mir: „Ralf you are in south France, relax, nobody is in hurry. Sometimes before the Corrida starts, the ticket box will open“.
 
Irgend wann nach 11.00 Uhr werden dann tatsächlich die Eröffnungsreden gehalten. Ein nicht unwesentlicher Teil des Publikums bevorzugt aber eher die 10m lange Open Air Theke der Bar „Les Artistes“ und das dortige Pastis Angebot. Im Anschluss an die Festreden folgt der Programmpunkt: „Aperitif Repas mit Les Sans Soucis“. Was ein Aperitif ist weiß ich. Les Sance Soucis ist eine rund 20 Personen starke Kapelle wie ich sehr schnell lerne, und eine die es versteht den Besuchern einzuheizen, auch bei kühlerem Wetter. Nach einiger Zeit fällt auch uns auf das die aufgestellten Biertische gut gefüllt sind. Gefüllt mit Pizzakartons, Plastikflaschen und Gießkannen. Insbesondere die Gießkannen genießen die volle Aufmerksamkeit der Besucher. Also tasten auch wir uns vor, ergattern einen der umher stehenden Plastikbecher und lassen uns einschenken.
 
Mhm, rein von der Optik könnte es junger Wein sein. Geruch und Geschmack überzeugen uns aber ganz schnell: Pastis!!! O.k.  es ist Mittag, unser Frühstück war original französisch und jetzt Pastis. Nach dem Pastis probieren wir uns durch die übrigen aufgestellen Plastikflaschen, immer auf der Suche nach alkoholfreien Getränken. Gefunden haben wir aber nur einen herrlich süffigen Muscat aus der Region. Ergänzt durch die in den Pizzakartons angebotenen Canapees erobern wir ein vollwertiges, allerdings auch sehr hochprozentiges Mittagessen. Spätestens jetzt hat sich jede Idee auf eine Motorradtour für heute erledigt. Ach ja, Alle dargereichten Speisen und Getränke waren kostenfrei.
 
Ihr könnt Euch sicher vorstellen das unter diesen Bedingungen die Zeit wir im Flug vergeht. Trotzdem finden wir noch die Möglichkeit uns ein wenig auszuruhen. Zwischen drei und vier Uhr folgen wir der „Menge“ zur Arena.
 
Die „Ticketbox“, eine ca DIN A4 große Klappe in der Metallwand der Arena wird gerade geöffnet und wir bekommen unsere Eintrittskarten für schlanke acht Euro pro Person. Natürlich sind wir viel zu früh, können dadurch aber den Einzug der Besucher in die Arena ausgiebig erleben.
 
Das Programmheft sagt „Course Landaise“. – Was bitte ist Course Landaise? Lernen durch erleben und erklären. Naja ein wenig habe ich auch nachgelesen. Course Landaise ist eine typisch französische Variante des Stierkampfes in der sogar Meisterschaften ausgetragen werden. In dieser aus der Gascogne stammenden Tradition wird der Stier nicht verletzt, genau genommen darf er nicht mal berührt werden. Die Écarteurs in farbenfrohen Anzügen versuchen durch geschickte Bewegungen dem Stier im letzten Moment auszuweichen. Noch mehr Geschick beweisen die Sauteurs meist ganz in weiß gekleidet. Sie lassen den Stier gerade auf sich zu stürmen und springen im letzten Moment aus dem Stand über ihn hinweg. Dabei vollziehen sie die unterschiedlichsten Figuren. Gesteigert wird das ganz noch durch ein zusammenbinden der Beine oder durch eine Baskenmütze in die beide Füße gesteckt werden.
Ich hatte Stierkampf erwartet und etwas ganz anderes, aber nicht weniger kunstvolles bekommen und wir hatten erst die Hälfte der ausgeschriebenen Programmpunkte erlebt.
 
Zum Stierkampf gehört Musik und Feiern, so kenne ich es und so ist es auch hier. Nach dem Course Landaise spielen wieder „Les Sans Soucis“. Diesmal unterstützt durch eine Tanzgruppe „Passion Latina“ die wundervolle Flamencos und Lateinamerikanische Tänze präsentieren. Toll anzusehen und nicht zu letzt dadurch eindrucksvoll das die Tänzer ganz unterschiedlichen Alters sind und deswegen die Musik auch ganz unterschiedlich interpretieren. Ich hätte noch ewig zuschauen können, aber in der Zwischenzeit begannen fleißige Helfer damit die Hauptstraße von Azille mit Absperrungen zu versehen. Zur Sicherheit der Zuschauer für den vielleicht spannendsten Teil des Tages.
 
„Abrivado sur les allees“ hieß es im Programmheft. Die Hauptrolle beim Abrivado obliegt den Pferden aus der Camargue und Ihren Reitern. Die Pferde bilden ein V in dem die Stiere eingeschlossen und durch die Allee geführt werden. Die Machos der Stadt versuchen dabei die Stiere festzuhalten und/oder niederzuringen. Ganz risikofrei ist dieses Spiel nicht und so gibt es dann doch die eine oder andere Schürfwunde oder Beule die am Abend stolz gezeigt wird. Für die Zuschauer ist es ein tolles Spektakel das auch entsprechend lautstark honoriert wird. Mich haben die Reiter und die Pferde am meisten beeindruckt. Die Pferde so sicher zu führen beweist ein beeindruckendes Zusammenspiel und Vertrauen zwischen Pferd und Reiter.
Zuschauen macht hungrig und durstig, außerdem sind noch weitere Bühnenshows in Form von Live Musik und Tanz angekündigt. So spazieren wir zurück zu den Getränke- und Essensangeboten. Den Muscat von Mittag gibt es nun in ein Liter Plastikmeßbechern für €10,00. Ein Angebot das wir nicht ablehnen wollen, Gegenüber des Getränkestandes werden Muscheln säckeweise gekocht, außerdem können kleine Tintenfische und diverse Fleischspeisen zu moderaten Preisen käuflich erworben werden. Unser letztes Essen ist gefühlt schon Tage her. So decken wir uns zur Stärkung mit Muscheln, Fleisch und Frites ein.
Den Rest des Abend genießen wir die Musik, die Tänze und vor allem die ausgelassener Stimmung der Besucher und fühlen uns mittendrin pudelwohl. Wie wir am nächsten Tag bemerken werden wir auch von so manchem Besucher als Touristen erkannt – ob das an meiner Kamera oder an meinem französischen Wortschatz gelegen hat……..
 

Weiter geht es auf Seite 2 zur „Beccarade“

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2 Gedanken zu “Bandazillane – Feria de Minervois – Stierkampf in Azille”

  1. Wie kann ein halbwegs aufgeklärter Mensch, der gerne reist, sich an der Natur erfreut und schlimme Erlebnisse durchgemacht hat, sich an solch einer rein „sportlichen“ Tierquälerei erfreuen. Ich kenne den französischen Stierkampf, beziehe mich aber auf Deine Aussage „Fan dieser traditionellen Darbietung“ (seit Portugal) zu sein. Diese bezieht sich ja wohl auf den traditionellen Stierkampf. Das ist wirklich nur übel und nicht nachvollziehbar.

  2. Hallo Robert,
    dies ist Deine Meinung und deswegen habe ich den Kommentar genehmigt. Ich habe eine andere.
    Herzliche Grüße
    Ralf

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